2012/02/27

Paul Collins "Der Mord des Jahrhunderts" [Buchbesprechung]

Paul Collins "Der Mord des Jahrhunderts"
Irisiana Verlag  - zur Verlagsseite
ISBN 978 - 3-424-15122-0
gebundene Ausgabe, erscheint im März 2012
448 Seiten


Es ist im Sommer 1897, als in New York das erste Bündel mit Leichenteilen von ein paar Jungen aus dem East River gefischt wird. Der Brustkorb mit beiden Armen soll nicht der letzte Fund bleiben. Doch alle Bündel gleichen sich und sind im Wachstuch der gleichen Art verpackt. Eine erste Spur in einem mysteriösen Fall, den die Polizei anfänglich als Werk von Medizinstudenten abtut. Im Leichenschauhaus denkt man sofort an ein Gewaltverbrechen und es sollte die Presse sein, die den Fall öffentlich macht und ihn ins Rollen bringt. Die Verlagshäuser wollen nicht nur den eher schlagzeilenlosen Sommer beenden, sie wittern vielmehr die große Geschichte eines Mordes dahinter. Und schnell beginnt der Kampf der Zeitungen um die besten Neuigkeiten, Journalisten sind Tag und Nacht auf der Jagd, Annoncen werden veröffentlicht, in denen nach Zeugen gesucht wird. Polizei und Presse stehen im täglichen Wettlauf um die Aufklärung. Ziemlich schnell gelingt es, das Opfer zu benennen und erste Verdächtige festzunehmen. Doch sind sie die wahren Mörder?

Eine Geschichte mit wahrem Hintergrund. Ein interessantes Buch, das zu fesseln vermag. Anschauliche Details vermitteln eine nahe Distanz zum Geschehen. Man fühlt sich zurückversetzt in das New York des 19. Jahrhunderts. Schon damals eine aufstrebende Metropole, in der insbesondere viele Einwanderer ihr großes Glücks des Lebens suchten. Doch auch eine Stadt der Gegensätze, in der sich Armut und Reichtum ganz nah beieinander fühlten. Dann passiert dieser Mord und die Verlagshäuser buhlen nicht nur um die Gunst des Lesers. Es ist die Chance, zur Populärsten aller Zeitungen aufzusteigen. Die Großen der Branche möchten ihre Imperien und ihr Ansehen noch mehr ausweiten. Sind es noch mehr Macht und Erfolg, die die Zeitungsmacher antreibt, den Fall aufklären zu wollen? Zudem gestalten sich die damaligen kriminalistischen Techniken eher unbedarft. Also auch eine schwierige Gratwanderung zwischen Vorverurteilung und faktischem Wissen. Sehr eindrucksvoll vermag der Autor die Arbeit von Polizei und Journalisten zu beschreiben. Konkret bezieht er sich in den Details auf tatsächlich zur damaligen Zeit veröffentlichte Zeitungsartikel, die im Anhang als Quellen aufgeführt sind. Bezieht sich der abscheuliche Fall auf ein wahres Verbrechen, erscheint mir die Rolle der Journalisten doch sehr vordergründig und tragend gewesen zu sein.
Ein stimmiges Cover, das sich optisch mit dem eigentlichen Einband ergänzt. Die dort zusammengestellten Zeitungsausschnitte vermitteln bereits einen ersten Eindruck von der Geschichte, die den Leser erwartet. Insgesamt ein für mich sehr lesenswertes Buch, mit einer ansprechenden Geschichte, die mit viel Recherchewissen aufgearbeitet wurde.

Fazit: sehr gute 4 von 5 Sternen

1 "Kommentier`mich":

esteban lob hat gesagt…

Vielen Dank für den besuch an mein blog.

Grüsse.